Aus der Geschichte lernt man – Oder etwa nicht?

Den gleichen Fehler gleich zwei Mal zu machen, erscheint vielen absurd und doch zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher und der darauf folgende Blick unserer Zeit, dass wir nicht aus allen Fehlern gelernt haben.

Eins der jüngsten, geschichtlich fundamentalen Ereignisse ist erst rund 80 Jahre alt und doch scheint es fast so, als hätten wir so vieles aus dieser Zeit vergessen. Der zweite Weltkrieg hat mit seinem Schrecken und seiner Brutalität viele erschüttert und der Faschismus erreichte ein unvorstellbares Maß. Doch vielerorts scheinen sie fast schon vergessen, die Taten und die Folgen. Es wird sich eingemauert und alles bekämpft, was nur ein wenig anders daher kommt, als man selbst ist. In Deutschland erlebte die AfD einen raschen Aufschwung, die Engländer kehren der EU den Rücken, in Frankreich gewinnt der rechte Flügel immer mehr an Fahrt und die Amerikaner haben einen Präsidenten ernannt, der seinen Fremdenhass stolz nach außen trägt.

Randparteien haben den Weg in die Mitte der Bevölkerung geschafft und sähen dort mit Unwahrheiten und Angst, den Boden ihrer nächsten Wahl.

Und wirtschaftlich? Wenn wir es schon nicht gelernt haben, dass Fremdenhass und Patriotismus einer Einbahnstraße gleicht, so haben wir doch gewiss gelernt was es heißt, nachhaltig zu wirtschaften. Nun, um diesem Irrtum auf die Schliche zu kommen, müssen wir nicht einmal 80 Jahre in der Zeit zurück gehen. Wenngleich es auch 1920 schon einmal richtig geknallt hat, bekamen wir 2008-2009 einen kleinen Vorgeschmack auf das, was es heißt wenn die Börse schwankt. Es wurde spekuliert und gezockt und Gehälter ausgeschüttet wie es sie noch nie gab und immer darauf vertraut, dass der Markt es schon regeln wird. Dass die Wirtschaft nur eine Richtung kennt – nach oben. Und dann? Dann zeigte die Wirtschaft einmal mehr was es heißt, wenn man auf eine Blase setzt. Anleger verloren ihr Geld, Häuser wurden gepfändet und einige, die richtige gesetzt hatten, wurden noch reicher. Ob wir dieses mal daraus lernen? Ob wir dieses mal lernen nicht auf das zu vertrauen was Menschen mit unglaublichem Kapital als sichere Anlage sehen? Die Gier scheint stets ein stummer Begleiter zu sein.

Doch scheinen auch eben jene Politiker und Geschäftsleute sich nicht an die Geschichte entsinnen zu können. Vielleicht haben sie vergessen, zu was ein Volk in der Lage ist, wenn man es nur lang genug unterdrückt. Wenn es arbeiten muss nur um Schulden zu bezahlen die mit jedem Jahr steigen. Vielleicht sollte man ihnen die französische Revolution zu lesen geben. Einige Jahre her, gewiss, doch so aktuell wie vllt. noch nie. Überall fühlt man den Unmut. Rechte Parteien gewinnen nicht nur deswegen an Macht, weil die Menschen Ausländer so fürchten, sondern gewiss auch deswegen, da viele einen Hass auf die Politiker und das System haben. Protestwähler nennt man sie heute. Erhoffen sie sich wahrhaftig einen Umschwung von Parteien die in ihren Wahlprogrammen geschrieben stehen haben, dass Frauen in die Küche gehören? Wissen sie es überhaupt?

Es wird allmählich Zeit, die Geschichtsbücher aufzuschlagen und sich einige Kapitel in Erinnerung zu rufen. Ganz gewiss findet man darin noch mehr Parallelen die man ziehen kann und mit Sicherheit ist es schon lange an der Zeit, dass wir aus Fehlern alter Tage lernen.